VOICE / LESSON 02
Brustatmung und Zwerchfellatmung
Im zweiten Teil unserer Atemserie vergleichen wir die Brustatmung mit der Zwerchfellatmung und schauen, welche Rolle beide beim Singen spielen.
Vielleicht hast du schon gehört, dass man bei der „Bauchatmung“ Luft in den Bauch einatmet. Das stimmt anatomisch nicht: Die Luft gelangt immer in die Lunge.
Die Begriffe beschreiben vielmehr, welche Bewegungen beim Einatmen besonders deutlich sind.
Brustbetonte Atmung
Der Brustkorb weitet sich, wobei die Muskeln zwischen den Rippen gut sichtbar mitarbeiten.
Zwerchfellatmung
Das Zwerchfell zieht sich beim Einatmen zusammen und senkt sich. Dadurch können sich Bauch und Flanken nach außen bewegen.
Nach körperlicher Anstrengung bemerken wir oft stärkere Brustkorbbewegungen. Im Liegen oder Schlafen bewegt sich der Bauch häufig freier. Tatsächlich arbeiten Zwerchfell und Brustkorb bei der normalen Atmung zusammen.
Anfängern empfehle ich beim Singen, eine entspannte, vom Zwerchfell unterstützte Atmung zu üben. Manche Gesangsmethoden betonen die gemeinsame Bewegung von Rippen und Bauch – das ist kein Widerspruch.
Warum lohnt sich diese Übung?
1. Sie kann ein angenehmes Einatmen erleichtern.
2. Du lernst, den ausströmenden Atem gleichmäßiger zu dosieren.
3. Unnötige Spannung in Schultern und Nacken lässt sich reduzieren.
4. Sie bildet eine gute Grundlage für längere Gesangsphrasen.
Wenn du dagegen bei jedem Atemzug die Schultern und den oberen Brustkorb hochziehst, kann unnötige Spannung entstehen.
Mögliche Schwierigkeiten bei angespannter Hochatmung
1. Das Gefühl, nicht frei einatmen zu können.
2. Schwierigkeiten, die Ausatmung gleichmäßig zu steuern.
3. Verspannungen rund um Hals und Kehlkopf.
4. Weniger Freiheit bei Klang und Resonanz.
Bewegungen des Brustkorbs sind an sich weder schädlich noch falsch, sondern ein normaler Teil der Atmung. Beim Singen geht es vor allem um eine koordinierte, flexible Atemführung. Im nächsten Teil folgt eine praktische Übung.