JAZZ PIANO / PHRASE ANALYSIS 03
Bill Evans: Moll-II–V–I-Phrasenanalyse 3
Moll-II–V–I-Verbindungen gehören zum grundlegenden Vokabular der Jazzpiano-Improvisation. Diese Phrase von Bill Evans über Em7♭5 → A7 → Dm verbindet besondere Klangfarben mit einer raffinierten rhythmischen Gestaltung. Achte auf den Upper-Structure-Dreiklang und die wiederkehrenden Vierteltriolen.
Die vollständige Phrase | Rhythmischer Zusammenhang

Vierteltriolen verbinden die drei Akkorde. Statt einfach eine Tonleiter auf- und abzuspielen, nutzt die Linie charakteristische Spannungstöne und bewahrt dabei einen natürlichen musikalischen Fluss.
Em7♭5 | Ein D-Dur-Dreiklang als Upper Structure

Über Em7♭5 enthält die Phrase innerhalb der Vierteltriolen die Töne des D-Dur-Dreiklangs (D–F♯–A). Diese Idee erinnert an Upper-Structure-Triads, die häufig beim Jazzpiano-Voicing eingesetzt werden. Bezogen auf E sind die Töne ♭7, große None und Undezime. Besonders F♯ verweist auf E-Lokrisch ♯2 anstelle des gewöhnlichen E-Lokrisch mit F. Spannend ist, wie eine Voicing-Idee zum melodischen Material wird. Der Grundton des D-Dur-Dreiklangs liegt einen Ganzton unter E.
A7 | Von der natürlichen 13 zu alterierten Tönen

Über A7 setzen sich die Vierteltriolen fort. Das anfängliche F♯ ist die natürliche 13 und knüpft klanglich an Em7♭5 an. Danach verläuft die Linie über 1 → ♯9 → ♭9 → ♭13 → 3 und kombiniert alterierte Spannungstöne mit grundlegenden Akkordtönen. Die Spannung wird also nicht sofort durchgehend alteriert, sondern entwickelt sich aus der natürlichen 13. Auch die rhythmische Gestaltung ist entscheidend.
Dm | Große Septime und rhythmische Variation

Über Dm bleibt die Idee der Vierteltriolen erhalten. In der ersten Figur werden jedoch Achtelnoten eingeflochten, wodurch eine feine rhythmische Veränderung entsteht. Diese Nuance ist typisch für die ausgefeilte Phrasierung von Bill Evans. C♯ als große Septime erzeugt dabei die besondere Klangfarbe von Dm(maj7). C♯ gehört nicht zum einfachen d-Moll-Dreiklang, wohl aber zum Moll-Major-Septakkord.
Das Wesentliche | Gleicher Rhythmus, wechselnde Klangfarben
Drei Ideen sind besonders wichtig: Upper-Structure-Dreiklänge für einstimmige Improvisation nutzen, natürliche und alterierte Spannungstöne kombinieren und Vierteltriolen mit Achtelnoten rhythmisch variieren. Lerne nicht nur die Noten auswendig, sondern verstehe ihre musikalische Funktion.
Übungsideen
- Klopfe und singe die Vierteltriolen zunächst ohne Tonhöhen
- Spiele D–F♯–A über Em7♭5 und höre auf die Klangfarbe
- Achte über A7 auf den Wechsel von F♯ (13) zu alterierten Tönen
- Höre die Wirkung von C♯ über d-Moll und übe die Achtelnoten rhythmisch präzise
- Transponiere die Ideen in andere Moll-II–V–I-Verbindungen und entwickle eigene Linien
Aufnahme ansehen | Instagram-Reel
Höre dir die Phrase an und achte dabei auf die Vierteltriolen und den Wechsel der harmonischen Klangfarben.
Notenbilder und Analyse von Seiya Matsushita (Pivo Music School) zu einer Phrase aus einer Bill-Evans-Aufnahme.